HUB-WS 95/96
"Theorien des Radios - Ästhetik und Äther" (7)
Teil 1; Teil2; Teil 3; Teil 4; Teil 5; Teil 6; Teil 7;

Das deutsche und das amerikanische Radio

Ich möchte mit einem Ausblick schließen, der in Wirklichkeit ein Rückblick ist. Der Ausblick beginnt mit der ganz einfachen Frage: Warum eigentlich hat sich das Medium Radio, zur selben Zeit, in Amerika so ganz anders entwickelt als etwa in Deutschland oder Europa? Warum ist das Unterhaltungsradio zuerst, nämlich im Frühjahr 1920 schon, in Amerika entstanden, danach erst in Europa, vor allem England und Deutschland, und warum geht von hier aus eine so unterschiedliche Entwicklung in Gang? Die einfachste Antwort ist: das amerikanische Rundfunksystem ist kommerziell, das europäische war und ist immer noch zum guten Teil staatlich kontrolliert. Das wäre die institutionenhistorische Erklärung und die meisten Radiohistorien belassen es dann auch dabei. Man sagt: in Deutschland und auch in England gab es eben eine Tradition des "Postregals", der staatlich kontrollierten Postwege schon seit dem 17 und 18. Jahrhundert, und im 19. Jahrhundert die daraus folgende Festlegung, daß auch alle telegrafischen Übermittlungskanäle staatlicher Kontrolle zu unterliegen hätten. Eine entsprechenden Verfügung aus der 70er Jahren des 19. Jahrhunderts wegen unterlagen also alle Funktelegrafiewege einer ebensolchen Lizensierungspflicht und jeder Empfang von Nachrichten und Sendungen auf diesem Wege wurde so auf diesem Wege gebührenpflichtig. Die Tradition dieser Verordnungen haben wir noch heute in den Gebührenpflicht fürs Betreiben von Hörfunk- und Fernsehgeräten, die bekanntlich auch vor Studenten nicht Halt macht.
Die Frage, die damit institutionengeschichtlich so überaus klar zu sein scheint, stellt sich dennoch für uns etwas anders. Wir haben keine Institutionensoziologie und Institutionengeschichte betrieben, sondern sind einen Schritt dahinter zurück gegangen. Ich habe Ihnen versucht zu zeigen - und damit beginnt der Rückblick -, daß das Radio aus einer Diskursgeschichte der Physik hervorgegangen ist, daß es, vereinfacht gesagt, liegengelassenes Experimentiergerät der Physik war, das Lodge, Righi, Popov und Marconi da aufgegriffen haben und daß sich aus dem Diskurs der Physik eine symbolischer Diskurs, man kann auch sagen: ein ideologischer Diskurs verzweigt, der mit den Begriffen Okkultismus und Spiritismus der Avantgarde wohl zutreffend beschrieben ist. Das heißt: das Radio, als technisch umgedeutete Experimentalanordnung der Physik, ist von vorneherein eingebunden in ein Verständnis, das mit der physikalisch-mathematischen Interpretation der Versuchsanordnung nichts zu tun hat, sondern einen vorgängig ideologischen Zweig der physikalischen Weltinterpretation reaktiviert, bestärkt, befördert. Das ist das Mißverständnis zwischen dem englischen Physiker Oliver Lodge und Heinrich Hertz, das ich Ihnen angedeutet habe. Technishe Realität werden wird das Medium aber nicht aus dem Grund solcher dunklen Erhabenheiten, sondern aus Gründen des massiven militärischen Interesses an der Optimierung und dem Ersatz der Seekabeltelegrafie, die bereits ein Imperium, nämlich das englische essentiell sichert.
Das Radio steht also, noch bevor es technisch-institutionelle Wirklichkeit wird, mit der Gründung der Rundfunkgesellschaften in Deutschland, mit der Gründung der BBC in England, in einem reellen Kontext militärisch-nachrichtentecnischer Expansionsinteressen und in einem ideologischen Kontext der behaupteten Möglichkeit von okkulten Gedankenübertragungen und spiritistischer Kommunikation, von der wir wissen, daß es sich bei diesen ideologischen Formationen um einen latent psychotischen Kontext handelt. Eine rein militärische Entwicklung des Mediums konnte nicht gelingen, sondern mußte sich, aus Gründen der Industriepolitik und der zugehörigen Entwicklung technologischer Großindustrien, gesellschaftlich, also im Kontext eines "Rundfunks für alle" realisieren.
Krieg und Psychose haben sich von Anfang an in dem Medium Radio amalgamiert, zumindest in Europa. Ich habe Ihnen gezeigt, daß der moderne Begriff der Psychose, wie er von Freud entwickelt worden ist, auf einen Text zurückgeht, der mitten in diesem ideologischen Kontext spiritistischer Kommunikationsideologien entstanden ist, nämlich auf die Aufschreibung einer Real-Psychose des Senatspräsidenten Daniel Schreber in seinen "Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken".
Ich habe Ihnen auch - und zwar ziemlich ausführlich - die Begriffsnot vor Augen geführt, die die Physik mit dem Phänomen des Radios, also der Existenz elektromagnetischer Wellen hat. Diese Dinger sind nicht recht zu beschreiben, ohne daß man Rückgriffe auf einen strikt mathematischen Diskurs macht, nämlich den der Relativitätstheorie. Solange das Militär eine strikt nachrichtentechnische Verwendung des Mediums hatte, also der Inhalt der Kommunikation auf dem Kanal bekannt war, nämlich Befehlsströme an und Nachrichtenströme von den Fronten, konnte diese Krise der Begriffslosigkeit vom Medium unerheblich bleiben. Ich habe Ihnen weiterhin die Vermutung nahegelegt, daß dadurch, daß diese Dinger, dieses wellenförmige Etwas, nun also nachweislich existiert und produzierbar sind, sich sowohl in der Mathematik wie auch in der Philosophie eine nachhaltige Krise ereignet, die zum Beispiel schon die Beschreibung eines Dinges betrifft. Hier hätten wir Heidegger zu lesen gehabt, was wir aus Zeitgründen nicht tun konnten.
Aber wenn schon die moderne Physik - außer einer reellen Mathematik - keine Vorstellung anzubieten hat von dem, was das ist: Elektromagnetismus, wie also sollten die, die plötzlich und ohne eine vorgängige Zweckbestimmung, mit diesem Medium technisch nun zu tun hatten, verstehen, was das Medium ist?
Die Militärs des I. Weltkriegs hatten damit keine Probleme. Die theoretische Frage nach dem Medium Radio, die auf die klassische Frage antworten soll: Was ist das Medium? - tritt nur auf, wenn der Inhalt und die Struktur der Kommunikation unbestimmt bleibt, wenn sich das Medium, wie das Radio, rundherum an alle oder an keinen richtet. Erst dann scheint die Frage nach dem Medium rettungslos verloren zu sein. Richard Kolb - und neben ihm Hermann Pongs und Wilhelm Hoffmann - hat eine implizit psychotische Theorie des Rundfunks vorgelegt, um den Eindruck der Stimme, die aus dem Radio kommt, als "körperlose Wesenheit" zu behaupten. Wir haben auch gesehen, daß dem eine spezifische Formensprache des Hörspiels entsprach, eine Stimmkultur, eine literarische Themenwahl und eine Soundcollagetechnik, die Wilhelm Hoffmanns Satz: "Ein primäres funkisches Thema ist der Tod" (Hoffmann 1933, 374) wieder und wieder inszeniert. Im Nazi-Deutschland entwickelt sich im Anschluß daran eine regelrechte Rundfunkwissenschaft, die wir ebenfalls nicht weiter verfolgen konnten: Friedrichcarl Roedemeyer in Freiburg und der Psychologe Wolfgang Metzger haben sich im Zuge einer sehr empirisch angelegten Forschung zur Aufgabe gemacht, nachzuweisen, daß ein Radiohörerlebnis physikalisch-physiologisch einem sogenannten "Realhörerlebnis" sehr nahekommt (Metzger 1942, 19ff), sodaß Gerhard Eckert, ein Radioforscher, der auch noch in den fünfziger Jahren von sich Reden machte, 1941 in seinem Buch "Der Rundfunk als Führungsmittel" schreiben konnte:
"Wir Deutschen stoßen, wenn wir den Rundfunk als Führungsmittel betrachten, auf eine eigenartige Parallele. Am 9. November 1923 scheiterte der Versuch Adolf Hitlers, durch einen Umsturz gewaltsamer Natur die Macht an sich zu reißen. Von diesem Augenblick an war sein Entschluß gefaßt, den Weg der allmählichen Überzeugung und Gewinnung des ganzen Volkes zu geen. Fast zum gleichen Zeitpunkt aber, am 29. Oktober 1923, begann die Tätigkeit des Rundfunks, der am gleichen 9. November über den berliner Sender seine ersten akteullen Tagesnachrichten verbreitete. Der Rundfunk war es dann, der vom 30. Januar 1933 an die Stimme des Führers immer wieder zum ganzen Volke dringen ließ und so entscheided dazu half, die deutsche Volksgemeinschaft zu fomen. In einem Augenblick, wo das Ziel feststand, entwickelte sich auch das Mittel, das zur Erreichung dieses Zieles mit das wichtigste war."(Eckert 1941, 35f)
Diese "eigenartige Parallele" der deutschen Rundfunkentwicklung ist so eigenartig nicht. Gerhard Eckerts grundlegendes Buch über den nationalsozialistischen Rundfunk täuscht sich und uns darin nicht, daß die rundfunkmäßige "Erschließung" des Volkes eine von Anfang an massiv technische Aufgabe gewesen ist, die mit der fächendenckenden Versorgung von Sendern und dem Ausbau ihrer Zuführungstechnologie zu tun hat. Bis 1932 baut Hans Bredow 25 Sender in der Republik, die Nazis verdoppeln diese Zahl und die Leistung der Sender bis 1941. 1932 gibt es 4 ½ Millionen angemeldete Rundfunkteilnehmer, 1941 werden es 15 Millionen sein. Das hat mit dem Empfängerbau zu tun, nämlich der massenhaften Produktion des "Volksempfängers", die ab 1933 beginnt. 1932 liefern die deutschen Sender 50 tausend Minuten Programm im Jahr, das entspicht durchschnittlich 1 ½ Vollprogrammen bei 14 Stunden durchschnittlicher Sendezeit pro Tag, 1941 sind es 100 tausend Jahresminuten bei 19 Stunden durchschnittlicher Sendezeit pro Tag, das entspricht gut zwei seperaten Vollprogrammen. (Nach Eckert 1941, 38)
In Wirklichkeit aber bleibt das deutsche Radio dem Grunde nach ein singuläres Programm. Zwar existieren im Reich bis 1932 neun Regionalgesellschaften, aber das Programm der je anderen Regionalanstalten konnte eine Hörerin oder ein Hörer schon vor 1933 am jeweiligen Ort nicht empfangen. Hans Bredow hatte bereits in den späten 20er Jahren die Idee, über den Einsatz von UKW die Programme der Regionalanstalten zu diversifizieren und zu vervielfältigen. Goebbels stoppt diese Tendenz, nicht nur, weil ab sofort die UKW-Technik dem Militär vorbehalten bleiben wird. Der Rundfunkgründer Bredow wandert ins Gefängnis und wird unter haltlose Korruptionsanklagen gestellt, die wenige Jahre sogar vor nationalsozialistischen Gerichten zusammenbrechen werden. Das alles folgt aus der Goebbelschen Strategie, die Regionalprogramme zu entmachten zugunsten von Zusammenschaltungen eines Großdeutschen Rundfunks. Für Goebbels ist der Idealtypus Radio das, was im April 1933 mit dem Massenappell der SA geschah: die technische Verschaltung des Volkes als Volk. Es ist die Inszenierung der Simulation des Volkes als einlinige Kette verschalteter Empfänger. Und wir haben gesehen, wie sich in dem psychotischen Diskurs des Radioprogramms als "wesenlose Körperlichkeit" eines Radiorufs diese Kette in der Tat fiktiv, oder besser eben: psychotisch schließen ließ.
Der psychotische Diskurs des Radios, das war unsere nächste Erkenntnis, muß nicht umgekrempelt werden, um seine alten Themen: "wesenlose Körperlichkeit", "Strom des Geistes" und "Tod", wie sie von Richard Kolb oder Wilhelm Hoffmann formuliert wurden, zu reaktivieren. Das faschistische Radio des III. Reiches kann vielmehr auf einer diskursiven Tendenz eines Techno-Okkultistismus und Techno-Spiritismus aufsetzen, die weit in die Formationsgeschichte des Mediums selbst zurückgeht. Wie weit diese Diskurstendenz ncch über das Ende des II. Weltkriegs hinauswirkt, habe ich ihnen am Beispiel der seltsamen kryptischen Diskussion um die Kolbschen Theorien noch in den später 60er Jahren zeigen können.
Andererseits bleibt, was Goebbels mit dem Radio unternimmt, kalkulierte, propagandistische Simulation. Die Effekte, die das Radio unter seiner diktatorischen Regie, erwirkt, geschehen nicht um ihrer selbst willen. In dem Moment, da die Eckpfeiler der faschistischen Organisation gesichert sind, die Gewerkschaften, die Kommunisten, die Sozialdemokraten ausgeschaltet und ihrer Kader ins KZ gebracht oder exiliert, fährt Goebbels, 1934, die aufwendig produzierten Programminhalte und alle massenmedialen Führerreden auf ein Minimum zurück. Stattdessen gibt es jetzt sehr viel mehr Musik, Unterhaltungsmusik, "Leichte Musik", wie Goebbels Neuwortschöpfung dazu heißt, und nahezu eine Verdopplung der Nachrichtenzeiten auf fünf Mal, später, 1940, acht mal am Tag (51f). Vortragssendungen werden der Zahl nach halbiert (113), Hörspiele, die 1933 von 2,2% Programmanteil hatten, werden bis 1939 auf 0,7% reduziert. Den höchsten Wortanteil hat das nationalsozialistische Rundfunkprogramm 1933 mit 42,6 %, Goebbels fährt diese Wortlastigkeit bis 1937 auf 30% zurück (171).
Die Ziele der kalkulierten Radiosimulationen des faschistischen Radio sind nicht Selbstzweck. Goebbels hätte an einer solcher, sozusagen rein radioästhetischen Verselbstständigung von Radioformen kein Interesse gehabt. Überzeugungs-Ästheten wie den Kurzzeit-Intendanten Richard Kolb hat Goebbels schnell in die Wüste geschickt. Kolb ist als Soldat in den letzten Kriegstagen gfallen. Goebbels, der am Ende zunächst seine sechs Kindern, dann seine Frau und dann sich selbst umbringen wird, geht es nach '33 um die reale Verschaltung des Volkes zum Zwecke der gigantischen industriellen Aufrüstung, die im Tief- und Hochbau, sowie in den Schwerindustrien, im Automobilbau und in den direkten Rüstungsproduktionsprogrammen ihren Ausdruck findet. Reale Volksverschaltung im Faschismus aber heißt: HJ, BDM, SA, SS, Wehrmacht. Während in Amerika Präsident Roosevelt im New Deal erstmals staatlichen Interventionismus praktiziert, der mithilfe von Sozialversicherungen und Tarifhoheitsregelungen vor allem den bereits laufenden Aufschwung der Konsumgüterindustrie bestärkt, läuft in Hitlerdeutschland nach vollendeter gesellschaftlicher Gleichschaltung von 1936 an ein Vierjahresplan, der planmäßige Aufrüstung und Kriegsproduktion beinhaltet.
Sie werden sich also nicht wundern, wenn Sie erfahren, daß im Großdeutschen Radio des Faschismus sich in den Radioformen wenig Neues entwickelt hat. Kein Vergleich zu Amerika, daß in den dreißiger Jahren die Hochblüte der "Radiodays" erlebt, in "march of the time" die Grund für eine News-Show-Form setzt, mit "Amos 'n' Andy" und hunderten anderen "daytime serials" eine völlig neue Form der Radiounterhaltung kreiiert, eine überwältigende Fülle an "radio comedies" und "game-shows" entwickelt werden und in den "CBS-Workshops" solche Formen, die erste nach dem Krieg bei uns als "feature" wiederaufleben können. Was die Entwicklung des Mediums als ästhetisches Medium betrifft, so herrscht im Deutschland der dreißiger Jahren eher eine tote Zeit. Was allerdings die Entwicklung des Mediums als technisches betrifft, so werden in Deutschland Formen entwickelt, die nirgendwo sonst auf der Welt Platz greifen.
Seit dem zweiten Kriegsjahr kommt zumindest einmal im Jahr, nämlich jeweils zu Weihnachten, das programmformatmäßig auf den Begriff, was das deutsche Radio im faschistischen Sinn zu sein hat: Volksverschaltung. Ab 1940 schaltet der Reichrundfunk jeden Heiligabend alle Stationen des Reichs mit den wichtigsten Kriegsfronten des Heeres und der Marine in einer sogenannten "Ringsendung" zusammen, d.h. es werden zivile und militärische Funkstrecken und Kommandowege gemischt, Radio findet hier, für eine Stunde im Jahr, als das statt, was es ist: nämlich als Ring, der das Volk, alle Volksempfänger mit dem Krieg an all seinen Fronten verknüpft. Zunächst, 1940, werden auf diesem Wege in langweiligster Weise Grüße von Heeresgruppen von Narwick bis in die Betragne ausgetauscht, ausgewählte Gefreite und einfache Soldaten reden über die Kabel und Funkstrecken mit ihren Müttern, Eltern und Geschwistern.
Weihnachten 1942 hört sich die Ringsendung schon etwas anders an. Inzwischen habven die Ringradiomacher offensichtlich gelernt, daß das technische Erstaunen über solche Verschaltungsleistungen akustisch beim Hörer ja niemals rüberkommt, denn eine perfekte Leitung nach Narwick erweckte damals nicht und erweckt heute nicht den Eindruck von Narwick, sondern, je perfekter je eher, den Eindruck, daß sie gestellt ist. Also hat man die Geschwindigkeit des Hin- und Herschaltens 1942 wesentlich erhöht und scheut sich auch nicht davor, die Rückkopplungseffekte des eigenen Sprachanteils im Ring einfach geschehen zu lassen - sie werden das hören. Wenn man nicht digital schaltet, sind sehr schnellen Schaltungsfolge vieler Stationen in einem Ring auch heute noch ohne Rückkoppelung kaum möglich. Erhalten ist von dieser Ringsendung '42, die das besetzte Stalingrad einschließt, nur der Schluß. Aber dieser Schluß ist, und das wohl wegen Stalingrad, sehr eindringlich. Kenner der Kriegslage nämlich wissen seit dem Herbst des Jahres 1942, daß sich das Blatt zu wenden beginnt. Das Ausbruchsbegehren des General Paulus aus dem Kesselring von Stalingrad hatte Hitler bereits am 24. November kategorisch abgelehnt, der Entsatz-Versuch der 4. Panzerarmee unter von Manstein war drei Tage vorher, 49 Kilometer vor Stalingrad, abgebrochen worden. Gut vier Wochen nach der nun folgenden Ringsendung wir General Paulus in Stalingrad kapitulieren.
Take 7: Ringsendung 42
Mit dieser Sendung schließt sich der Ring des deutschen faschistischen Radios. Die "Stille Nacht" geht am Ende in schlimmster akustischer Verzerrung, fast in der Nähe eines Rosa-Rauschens, unter. Die fibrig-flitternden, metallischen und blechernen Halleffekte, in denen das Schlußringlied fast schon unhörbar versinkt, lassen wieder einmal eine Art von technisch induzierter Apokalypse hörbar werden.
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Ich mache jetzt, für den Ausblick, einen Riesensprung, einen Riß, einen Absatz. 1920, im Oktober, überträgt Frank Conrad, dem im Kriege für die Navy-Ausrüstung mit Röhren und Funkgerät zuständig war und für Flugzeuge einen Propellergenerator erfunden hatte, damit die Air-Force-Piloten zu Artellerieposten am Boden funken konnten(Barnouw 1963/1, 67) - dieser Frank Conrad also hat eine Amateurfunklizenz unter dem Codenamen 8XK, die im September 1919, nach Aufhebung der Kriegsrestriktionen, wieder voll gültig wird.
- 1920, im Oktober, Lizenz vom Secretary and labor, mit dem Rufcode für Offshore-Funkstationen, KDKA, und überträgt die Wahlergebnisse, Cox und Harding, Harding wird gewählt
8: KDKA, Announcement, nachgestellt, 1920
- Radio aus der Amateurradio-Kultur, beginnend mit 1907, Lee de Forest Patent. Nach 1918 alle Marconi-Patente bei der RCA. Navy-Versuch bis 1919 für Sende- und Empfangsmonopole. Kein diskursiver Hintergrund. Rolle des Kriegs und der Armee in den 20er Jahren: Schwäche der Navy.
Radio wird als Konsumprodukt verkauft, analog dem Auto, Kühlschrank, Toaströster, später dann: Elektroherd und Staubsauger. Die Finanzierung des Radios aus dem Verkauf der Empfänger. Atwater Kent Werbeanouncement ist einer der ersten Werbespots überhaupt.
10: Atwater-Spot
- Keine Geld für das Radio. Keine Gebühren. Keine Tradition der öffentlichen Leistungen, keine Versicherung, keine Rentenregelung, keine Arbeitslosenversicherung etc.
Meine Neigung zur Improvisation und zum etwas einfachen Humor, zur simplen Pointe wird nur durchkommen.
Künstler treten unbezahlt auf. Nur kleine Gruppen, die für wenig Gage spielen. Am besten das Duo: "Songs 'n' Pattern", Freeman Gosden und Charles Correll. Ab 1925 als Sam 'n Henry und ab 1927 als Amos 'n' Andy. Bis 1953.
9 : Amos 'n' Andy, opening
Announcer, Sponsor "Rimsaw" = Seifenmarke
In den frühen 30er Jahren "The Hummerts"(Frank und Annie) Soap
11: Lorenzo Jones, 1937
12: Life can be beautiful, 1938, "Spick 'n' Span"
13: Superman 40er,
15: Suspence 1942-62, "crime serial" mit Hollywood-Stars, "§Lux Radio Theatre"
16: Air Adventures of Jimmy Allen, 1935, "atomic energy", "Science fiction"-serial
17: Archie Andrews, 1947, "Typen", der cholerische
18: Just Plain Bill, "country serial", Hummerts,
19: Jack Benny, 1932, "Lucky Strike",
20: "Telegramm for Jack Benny" Komik als Wiederholung der Komik, Benny immer 39, Vaudeville-Comic, wie Gaucho Marx ursprünglich, zwischen chinesischen Zauberern und Tanzballet.
Zurück zu den Anfängen:
21: Amos 'n' Andy: The Porch Sketch
22: Jack Benny und der Schotte, der Parfüm verkauft (Mal Blank) Stimme des Radios: Mal Blancks, Nachahmer von Automobilen
23: Benny and Rochester (Autogeräusche)
24: Benny & Mal Blank, Dschungel-Geräusche, Benny Parodie auf Hemmingways Kurzgeschichte Schnee am Kilimandscharo
25: Bob & Ray, Slow-Talker-Sketch, scheiben ihre texte selbst, Satiriker der 50er Jahre
26: Charlie McCarthy-Show, 1937
27: Buster Brown
28: Dick Tracey
29: Hermits Cave
30: Lonesome Ranger
31: Sergeant Preston
32: Walter Winchell